Henna Momand (18) floh mit ihrer Familie vor den Taliban. Sie ist dankbar für die Chancen hier. Doch sie fürchtet den Aufstieg der AfD.
Ich liebe Afghanistan. Es ist ein wunderbares Land mit sehr alten Städten. Aber leben will ich dort nicht – nie wieder. Frauen gelten dort nichts. Nicht einmal Fahrradfahrten ist ihnen erlaubt. Mädchen dürfen nur bis zur sechsten Klasse eine Schule besuchen und werden schon als Kinder – auch gegen ihren Willen – verheiratet. Oft mit sehr viel älteren Männern.
Ich bin sehr dankbar, dass ich in Deutschland leben darf. Die weiblichen Mitglieder meiner Familie hatten alle große Angst davor, mit Säure verätzt zu werden. Das tun die Extremisten gerne mit Frauen, die ihnen negativ auffallen. Meine Mutter, meine Schwester und ich tragen heute kein Kopftuch mehr. Wir sind frei und wollen frei bleiben. Für meine beiden Brüder ist das okay.
Ich war 15 Jahre alt, als sich meine Familie dazu entschloss, unsere Heimatstadt Dschalalabad zu verlassen und aus Afghanistan zu fliegen. Über Pakistan kamen wir nach Malaysia. Dort blieben wir eine Weile. Aber wir wollten nach Deutschland. Mein Großvater hatte vor vielen Jahren hier Politik studiert. Seine Erinnerungen haben uns hierher geführt. Eine gute Entscheidung.
Zunächst kam ich in die achte Klasse eines Gymnasiums, wechselte aber nach sieben Monaten in die Integrationsklasse eines Berufskollegs. Den Abschluss der neunten Klasse habe ich schon geschafft, obwohl ich bei meiner Ankunft vor zwei Jahren kein Wort Deutsch sprach. Ich will Abitur machen und wie mein Opa Politikwissenschaften studieren oder eine Ausbildung bei der Stadt beginnen. Später will ich in die Politik gehen, weil ich dieser Gesellschaft, die uns Zuflucht gewährt hat, gerne etwas zurückgeben will. Ein Land mitgestalten zu dürfen, das wäre für mich eine ganz große Sache.
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Aus PUBLIK FORUM, Ausgabe 07.02.2025
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