Was geschieht mit uns, wenn wir sterben? Auf diese Urfrage der Menschheit kannte die „reine wissenschaftliche Lehre“ lange nur eine Antwort: Unser Ich-Bewusstsein erlischt, und zurück bleibt eine materielle, wertlose Hülle. Das Forschungsgebiet des Psychotherapie- und Kognitionsforschers Prof. Dr. Alexander Batthyany öffnet den Raum für eine ganz andere Sicht der Dinge – eine Sichtweise, wie sie lange den Religionen vorbehalten war.
Herr Prof. Batthyany, Sie forschen über ein Phänomen, das bisher noch kaum wissenschaftlich untersucht worden ist: die terminale Geistesklarheit, die manchmal am Ende des Lebens bei Menschen auftritt, die diese Klarheit eigentlich gar nicht erleben dürften. Welches Phänomen ist damit gemeint?
„Menschen, die infolge schwerwiegender neurologischer Erkrankungen, etwa Alzheimer, traumatische Hirnverletzungen oder Hirntumore, tiefgreifend kognitiv beeinträchtigt sind – manchmal so sehr, dass sie sich nicht einmal mehr an ihren eigenen Namen erinnern -, zeigen mitunter kurz vor dem Tod ein unerwartetes und spontanes Aufleuchten geistiger Klarheit: Sie erkennen ihre Angehörigen,
erinnern sich an frühere Ereignisse, bedanken sich beim Pflegepersonal oder nehmen bewusst Abschied – als wüssten oder ahnten sie, dass ihre Zeit zu Ende geht. Sie sind, so sagen
viele Beobachter, „plötzlich wieder da“, wenn auch meist nur für kurze Zeit. In unserer bislang rund 400 dokumentierte Fälle umfassenden Sammlung war das Phänomen der terminalen Geistesklarheit in der großen Mehrzahl ein unmittelbarer Vorbote des nahenden Todes. Für dieses Phänomen gab es lange keinen Namen, heute gibt es ihn: terminale Geistesklarheit.“
Gibt es dafür eine medizinisch-wissenschaftliche Begründung?
„Derzeit nicht. Die terminale Geistesklarheit ist im Moment noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Wir sind erst wenige Schritte in dieses Niemandsland vorgerückt.“
Dabei handelt es sich doch im Grunde genommen um ein schon lange bekanntes Phänomen, oder?
„Solche Fälle wurden in der historischen Literatur zwar berichtet, aber mit der Standardisierung medizinischer Fallberichte werden sie seltener erfasst. Wie soll man auch etwas in klinischen Protokollen festhalten, das eigentlich so gut wie allem widerspricht, was wir über Demenzerkrankungen zu wissen glauben, und für das es lange Zeit nicht einmal einen Begriff gab? In den 30er-Jahren schrieb ein Mediziner über sogenannte schwachsinnige Menschen: Oft in den letzten Stunden vor dem Tode fielen alle krankhaften Hemmungen weg, und es offenbarte sich ein inneres Leben von solcher Schönheit, dass wir nur ganz erschüttert davorstehen konnten. Wir sollten uns also hüten, vom biologisch-neurologischen Zustand eines Menschen auf Armut oder Fülle in seiner inneren Welt zu schließen.“
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aus Natur & Heilen, Ausgabe 11/2025
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