Lisa Poettinger ist eine junge Frau, politisch, engagiert, meinungsstark. Die Bayerin fordert mehr Klimaschutz – wenn auch ohne große Hoffnung, wie sie selbst sagt. Viele Themen treiben sie in diesem Zusammenhang um: Die Ungerechtigkeiten, die mit dem Klimawandel einhergehen, weil die Verursacher aktuell weit weniger von den Auswirkungen betroffen sind als die Länder im Süden, die Schere zwischen Arm und Reich, die bei uns immer weiter aufgeht, die Macht des Patriarchats, die Diskriminierung von Menschen mit Handicap, den Alltagsrassismus, die Ursachen von Migration und Flucht. Im oekom-Verlag ist gerade ihr Buch erschienen, mit dem sie versucht, diese Themen zusammenzubinden: „Klimakollaps und soziale Kämpfe – Über Klimaschutz in einer ungerechten Welt.“ Einfach geschrieben und mit vielen Bildern und Grafiken, damit sich auch Menschen mit diesem wichtigen Themenspektrum beschäftigen, die keine Lust auf die Lektüre dicker Sachbuch-Wälzer haben. Zeit fürs Schreiben hatte sie reichlich, denn das Referendariat als Lehrerin wird ihr in Bayern verweigert. Dabei brennt sie für den Beruf, weil Bildung für sie „der Schlüssel zu Ermächtigung und Selbstbestimmung ist“. Und weil „man sich die Welt erklären können muss, um mündig zu sein“.
Demnächst urteilt über ihren Ausschluss ein Gericht, denn die junge Frau mit abgeschlossenem Lehramtsstudium soll keine Lehrerin werden dürfen. Die Begründung: „Wir wollen weder Kommunisten noch Nazis an unseren Schulen.“ Tatsächlich bezeichnet sich Lisa Poettinger selbst als Antikapitalistin und Marxistin. Ihre Empörung über die Verweigerung des Referendariats an einer bayerischen Schule hat andere Gründe. Sie will nicht mit Extremisten von Rechts in einen Topf geworfen werden, schließlich haben im Dritten Reich Marxisten und Kommunisten gegen das Nazi-Übel gekämpft und sind dafür in Konzentrationslager und in den Tod geschickt worden. Linksextrem dürfe man sie nicht nennen, linksradikal schon, sofern das Wort radikal, sagt sie, richtig eingeordnet werde: „Das Wort leitet sich vom lateinischen Radix ab, das bedeutet Wurzeln. Oder auch bis auf die Wurzel gehend oder gründlich.“ Und damit fühlt sie sich und ihr Engagement eigentlich ganz gut beschrieben.
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aus PUBLIK FORUM EXTRA LEBEN, Ausgabe Dezember 2025
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