Uli Burchardt war und ist vieles: Land und Forstwirt, Unternehmensberater, Manager, Buchautor – und seit 14 Jahren Oberbürgermeister der Stadt Konstanz- der ersten Stadt, die in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen hat. Annette Lübbers sprach mit dem Nachhaltigkeitsvisionär über die Stadt der Zukunft, in welcher der vermeintliche Gegensatz zwischen Mensch und Natur aufgehoben wird, und über die Notwendigkeit einer verstärkten Bürgerbeteiligung.
Lebensräume schaffen und Türen öffnen – Wie die Stadt der Zukunft ein Teil der Natur wird
Herr Burchardt, in Ihrem neuesten Buch „Menschenschutzgebiet- Wie die Stadt der Zukunft ein Teil der Natur wird“ fordern Sie ein neues Verständnis von Mensch und Natur. Wie meinen Sie das?
Oft heißt es, Naturschutz bedeute, die Natur vor dem Menschen zu schützen. Ich sehr das anders: Wir Menschen sind Teil der Natur. Wenn wir uns endlich auch als einen solchen begreifen, dann schützen wir die Natur ganz selbstverständlich mit. Naturschutz ergibt für mich vor allem Sinn als Schutz unserer Umwelt vor Zerstörung – und damit auch als Schutz unserer eigenen Lebensgrundlagen.
Sie sprechen auch vom Ökosystem „Urbaner Raum“, der noch viel lernen müsse. Was genau?
Die Denkweise Natur – Mensch – Besiedelung – Tod der Natur greift zu kurz. Besiedelung darf nicht einfach nur Versiegelung bedeuten. Wir dürfen uns unsere Nester schaffen wie die Vögel, aber sich sollten dafür weitgehend natürliche und nachwachsende Rohstoffe nutzen. Und wir sollten nur Materialien verwenden. die sich wieder in Kreisläufe zurückführen lassen. Wir haben in Konstanz beispielsweise zwei Flüchtlingsunterkünfte aus Holz gebaut: schnell, wirtschaftlich und schön. Natürlich gibt es zugleich die Debatte, dass der Wald wieder wild werden müsse. Ja, das muss er. Aber Nutzwälder darf es daneben auch geben!
Städte bezeichnen Sie als „Menschenschutzgebiete“. Welche Überlegungen stehen dahinter?
Wir müssen uns als Kommunen radikal an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, die in unseren Städten leben. Eine Stadt muss für die 8-Jährigen genauso lebenswert sein wie für die 80-Jährigen. Gleichzeitig müssen Städte geschützte Lebensräume für Tiere und Pflanzen sein. Es geht um gegenseitigen Respekt und darum, ein gutes Leben für alle Lebewesen zu ermöglichen.
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erschienen in „Natur & Heilen“, Juli 2026